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Weißwurz und Einbeere

Weißwurz und Einbeere

Die Frühlingsblüher Weißwurz und Einbeere zählen weder zu den häufig verwendeten Heilkräutern noch zu den besonders gefährlichen Giftpflanzen. Da sie aber verbreitete Wildpflanzen sind, lohnt sich ein Blick auf ihren Nutzen bzw. ihre Gefährlichkeit.

Salomonssiegel

Das Liliengewächs, das in vielen Sprachen Salomonssiegel heißt, im deutschen Sprachraum aber auch als Weißwurz bekannt ist, wächst als 20 bis 70 cm hohe Staude in trockenen, lichten Wäldern. Die Blüten erscheinen im Mai, die Früchte reifen im August.
Zu Heilzwecken dient die Wurzel (Rhizom) der beiden Arten Wohlriechendes Salomonssiegel (Polygonatum odaoratum) und Vielblütiges Salomonssiegel (Polygonatum multiflonim). Ihre Inhaltsstoffe wirken gegen Sommersprossen und Hautflecken. Das adstringierende Wurzelextrakt verhindert bei äußerer Anwendung Schwellungen und trägt zur Wundheilung bei.
Die chinesische Kräutermedizin empfiehlt ein Tonikum zur inneren Anwendung bei Halsschmerzen, Reizhusten und Bronchitis. In der russischen Volksmedizin gelten zerstampfte Wurzeln als wirksames Brechmittel.
Schon in der Antike beschrieben Dioskurides, Plinius und Galen Salomonssiegel als Heilkraut Der Kräuterarzt John Gerard erklärte den Namen: ,,Die weiße und dicke Wurzel ist voller Auswüchse oder Knoten
und gleicht an manchen Stellen dem Stempel eines Siegels, woher, so glaube ich, der Name Sigillum Salomonis rührt." Der Sage nach soll König Salomon die Zauberkraft der Wurzel genutzt haben, um beim Tempelbau den Felsen zu sprengen.
Die ganze Pflanze, vor allem aber die Beeren enthalten Chelidonsäure, Acetidin-2-carbon-säure und Stereoid-Saponine. Die Wirkstoffe rufen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervor. Die blauschwarzen, erbsengroßen Beeren enthalten so viele Saponine, dass leichte Vergiftungen auftreten können. Der Gefährlichkeitsgrad wird als + giftig eingestuft (Gift-klassen -, +, ++, +++).

Einbeere

Die auch als Wolfsbeere bezeichnete Einbeere (Paris quadrifolia) wächst in Auwäldern und feuchten Laubwäldern. Die 15 bis 30 cm hohe Pflanze entwickelt meist 4, seltener 5 quirlständige Blätter. Sie werden von der unscheinbaren grünen Blüte überragt, die im Mai erscheint. Die Wurzel ist wie bei Weißwurz ein kriechendes Rhizom. Aus dem schwärzlichen Fruchtknoten entwickelt sich eine kirschgroße, blau-schwarze Beere, die im August reift.
Der lateinische Gattungsname Paris entstammt der griechischen Mythologie. Sie setzt die Einbeere dem Erisapfel gleich, um den sich die Göttinnen Minerva, Venus und der Prinz Paris versammelten.
Im Mittelalter diente der Saft der Einbeere als Desinfektionsmittel bei Pest, aber auch als Tollwutmittel. Die Inhaltsstoffe wirken nachweislich desinfizierend und regen die Selbstheilungskräfte des Körpers an, so dass Wunden rascher abheilen. Getrocknete Beeren sind nur geringfügig weniger wirksam, wenn sie eingeweicht als Brei aufgelegt werden. Bei falscher Dosierung können Vergiftungen auftreten, also keinesfalls in Selbstmedikation verwenden.
Früher wurde aus der Einbeere Atropin gewonnen. Ähnlich wie Belladonna wirken geringe Dosierungen krampflösend, bei falscher Anwendung kann Herzstillstand eintreten. Heute wendet die Homöopathie Einbeerenextrakte bei katarrhalischer Reizung der Augen und bei Glaukomen an.
Hauptwirkstoffe sind die Saponine Paridin und Paristyhnin in allen Pflanzenteilen, der Gehalt liegt bei etwa 1 %. Sie rufen bei Verzehr der Beere Übelkeit, Pupillenerweiterung und schmerzhafte Darm- und Blasenentleerung hervor. Da die Beeren aber sehr schlecht schmecken, werden sie nur einzeln verzehrt, meist verwechselt mit der gleichzeitig reifenden Heidelbeere. Schwere Vergiftungen und Todesfälle sind nicht dokumentiert. Der Gefährlichkeitsgrad wird als + giftig eingestuft (Giftklassen -, +, ++, +++).

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