NSG - NaturSchutzGruppe Jettingen

Riesenbärenklau

Ein gesundheitsgefährdender Einwanderer
Der Saft des Riesenbärenklaus führt zu schmerzhaften Verletzungen, die mit Verbrennungen dritten Grades vergleichbar sind.
Der eingeschleppte Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum), ursprünglich im Kaukasus beheimatet, breitet sich in Deutschland und weltweit aus. Die Gewächse beeindrucken mit 1 bis 5 m Höhe und großen weißen Dolden, die einen halben Meter Durchmesser haben können. Sie kommen an feuchten Waldrändern und Saumzonen vor, aber auch im Wald, an Gräben, Wegrainen und Auengebieten, Uferböschungen und Flussniederungen. Für Waldbesucher und Forstbeschäftigte kann die Berührung der Herkulesstaude gefährlich werden. Die 1890 aus dem Kaukasus importierte bis zu 5 m hohe Staude ist inzwischen in ganz Mitteleuropa eingebürgert. Ihre Stängel sind bis zu 10 cm dick und rot gefleckt, die Blätter tief fiederteilig und haben einen dreizählig zerteilten grob gezähnten Lappen. Von Juli bis September kann man die Blütenpracht von Heracleum mantegazzianum bewundern. Der Riesenbärenklau bevorzugt feuchte, lichte Standorte, wächst aber inzwischen auch an trockenen und schattigen Stellen.
Berührt man die Pflanze, kann es zu gesundheitlichen Problemen führen. Furocumarine, der Saft des Riesenbärenklaus, der in allen Pflanzenteilen vorkommt, bewirkt nach Expertenmeinung eine fototoxische Reaktion bei gleichzeitiger oder nachfolgender Sonneneinwirkung,
Der Wirkstoff bildet mit körpereigenem Eiweiß ein Antigen, das zu einer stark allergischen Reaktion führt. Unter Sonneneinstrahlung führt der Kontakt mit dem Pflanzensaft zu langwierigen und schmerzhaften Verletzungen, die mit Verbrennungen dritten Grades vergleichbar sind. Die Hautreaktionen werden meist erst nach ein bis zwei Tagen sichtbar. Häutärzte sprechen von einer Heracleum-Dermatitis.
Mögliche Symptome sind zuerst brennende und juckende Rötung. Nach zirka 20 bis 48 Stunden kann sich die Haut entzünden, und Juckreiz, Rötung und Blasen sind die Folge. Die betroffene Haut heilt nach ein bis zwei Wochen langsam ab und hinterlässt mitunter eine narbenähnliche Hyperpigmentierung. Die akute Giftigkeit der Furocumarine ist bei Lichtentzug geringer. Kommt es zu einem Hautkontakt mit der Pflanze, ist daher unbedingt Sonnenlicht zu vermeiden. Danach sollte man die betroffenen Stellen beobachten und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen.
Allgemeinmediziner empfehlen, die Haut zur Regenerierung zunächst mit einer Salbe mit dem Wirkstoff Dexpanthenol zu behandeln. In der Akutphase kann die Therapie mit feuchten kühlen Umschlägen verstärkt werden. Nach zwei Tagen sollen die Hautrötungen in aller Regel abklingen.
Bei Einnahme größerer Mengen des Saftes ist eine schwere Symptomatik möglich. In der Literatur wurden sogar Todesfälle beschrieben. Aber auch bei geringer Dosis sind ernste Symptome zu erwarten.
Schwer zu bekämpfen
Aufgrund der von ihm ausgehenden Verletzungsgefahr und infolge immer größerer Ausdehnung rücken zahlreiche Natur- und Landschaftsschützer dem Riesenbärenklau mit Heckenscheren und Feuer zu Leibe. Der Erfolg hält sich jedoch in Grenzen, da die auf den Boden fallenden Samen immer wieder für ein neues Wachstum sorgen. Die Herkulesstaude kann bis zu 10000 Samen tragen. Er verliert seine Keimfähigkeit erst nach sieben Jahren. Der Samen aus der eiförmigen, bis zu 14 mm großen Frucht ist schwimmfähig und kann daher mit dem Hochwasser verbreitet werden. Aber auch die Vögel verschleppen den Samen.
Diplom-Forstingenieur Markus Werner vom fränkischen Forst-Betriebsstützpunkt Bad Königshofen befasst sich mit der Bekämpfung vom Riesenbärenklau. Eine flächige Behandlung der Pflanze mit Herbiziden im Staatswald und an Forstwegen darf nicht durchgeführt werden, erklärt er und beschreibt: „Gerade Randbereiche von Forstwegen sind oft für den biologischen Waldschutz und als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wichtig und dienen daneben als Deckung und Äsung für das Wild. Allerdings kann an viel begangenen Wanderwegen ein mechanisches Beseitigen der Fruchtstände das Verbreiten eindämmen.
Panikmache ist nach Aussagen des forstlichen Betriebsstützpunktes in Bad Königshofen nicht angesagt. Dennoch kommt der Riesenbärenklau immer wieder vor. Wo er ist, sollte man ihn biologisch bekämpfen. „Wenn diese Methode nichts nützt, dann mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel. Hierfür sei beispielsweise das Mittel „Roundub" zugelassen.
Derzeit hat der Forstbetriebsstützpunkt Bad Königshofen kein Problem mit dem Riesenbärenklau. Aber andernorts, zum Beispiel in Kiel, bekämpfen Zivildienstleistende zwischen Juni und August die Staude. Sie schneiden die Pflanzen wiederholt zurück und graben bei kleineren Beständen den bis 50 cm tiefen Wurzelstock aus oder beschädigen diesen zur Wachstumseindämmung.
Kein eindeutiges Urteil
Bis jetzt können Fachleute nicht sagen, welche Folgen eingeschleppte Gewächse (Neophyten) wie der Riesenbärenklau auf lange Sicht in unseren Breiten haben werden. Die aus dem Kaukasus importierte Staude verdrängt trotz aller Vernichtungsanstrengung zahlreiche heimische Pflanzenarten. Doch längst nicht jede zugewanderte Art ist eine Bedrohung der Flora und Fauna. Lediglich 30 von insgesamt 12 000 eingewanderten Pflanzen gelten heute als problematisch. Und selbst dort ist Schwarz-Weiß-Malerei fehl am Platz. Beispiel dafür ist die aus Nordamerika stammende Robinie. Sie wurde wegen ihrer nektarreichen Blüten zur Honiggewinnung in Mitteleuropa eingeführt und hat sich inzwischen in Mittel- und Südeuropa verbreitet. Die Robinie wird wegen ihrer Stickstoffbindefähigkeit bei der Rekultivierung geschätzt, wegen ihrer hohen Wurzelbrut wird sie auch zum Erosionsschutz und zur Hangsicherung eingesetzt. Durch die hohe Wüchsigkeit kann mit ihr schnell Biomasse erzeugt werden.
Besiedelt sie aber Magerrasen, wird sie zum Problem. Denn sie verändert das Nahrungsangebot im Boden und macht seltenen Magerrasen-Spezialisten das Leben schwer. Bei den Behörden ist das Wissen über gebietsfremde Gewächse relativ gering, wurde inzwischen von Experten herausgefunden. Bei den Laien ist es so, dass sie einheimische Arten oftmals gar nicht von fremden unterscheiden. Ein weiteres Problem ist, dass zahlreiche Neuankömmlinge inzwischen eingebürgert sind und sogar als „schutzwürdig" gelten.

NaturSchutzGruppe Jettingen e.V.